See here what German media published about C.O.A.L.
http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3603235,00.html
http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/dortmund/2008/8/29/news-72876617/detail.html
Von Jürgen Koers am 28. August 2008
DORTMUND
Präsentiert auf Hansa ihre Version von "Postindustriellen Mutanten": Jadwiga Lemanska.
Foto: Jürgen Koers
Die Kohle verbindet sie. Diese gleich geprägten Landschaften der Montanindustrie knüpfen das Band zwischen je sechs Künstlern aus Frankreich, Polen und Deutschland. Ihre besondere Sichtweise auf die Arbeit im Bergbau und das alte Ambiente der Zechen zeigen sie in der Ausstellung "C.O.A.L." auf der Kokerei Hansa.Präsentiert auf Hansa ihre Version von "Postindustriellen Mutanten": Jadwiga Lemanska.Foto: Jürgen Koers"Strukturwandel ist für mich als Kind des Ruhrgebiets selbstverständlich. Erst durch die Künstler ist mir klar geworden, dass ich in diesem Wandel selber drin stecke", sagt Kuratorin Uta C. Schmidt. Das Gemeinschafts- projekt verbindet Oberschlesien, das Ruhrgebiet und Nordfrankreich, bekam sogar rar gesäte Fördermittel der EU. Die Werke sind jetzt, nach dem Auftakt in Kattowitz, in Dortmund zu sehen. Und wo könnten die Veränderungen der Kultur- und Naturlandschaften besser veranschaulicht werden als auf Hansa?Zwischen Maschinen und Mauern hängt KunstZwischen all den Maschinen und den mächtigen Mauern hängen nun bunte, buddhistisch anmutende Gebetsfähnchen, bedruckt mit ausdrucksstarken Bergmannsgesichtern. Farbe und Stoff vergehen. "Der Gedanke der Transformation" hat Christian Psyk dazu inspiriert. Die Blüte der Industrie verblasst. Da baumeln plastische, halb durchsichtige Grubenpferde von der Decke eines Werkraums. Plattenspielernadeln kratzen Rillen in Kohlebrocken, hinterlassen ihre Spuren, spielen neue Töne. Bilder von Maschinenteilen sind frei zusammengefügt zu "Postindustriellen Mutanten", die als hypermoderne Roboter in die neue Zeit vorpreschen.Die Zeichnungen, Installationen oder Fotografien finden sich mal versteckt, mal sehr präsent im Kohlenturm, in der Waschkaue oder in der Kompressorenhalle. An Ort und Stelle ist so zu geradezu spürbar, wie die Vergangenheit des Bergbaus und die heutigen Rudimente neu gesehen werden können.
Samstag, 14. Juli 2007 | Quelle: Ruhr Nachrichten (Dortmund)
Presse Westfälische Rundschau 16. Juli 2007
Prägende Landschaften
Was haben Künstler aus Dortmund, Kattowitz und Nordfrankreich gemein?
Sie alle wohnen in ehemaligen Regionen der Schwerindustrie und des Bergbaus - ein Erbe, das ihre künstlerische Arbeit, zumindest aber sie selbst geprägt hat. Im Projekt "C.O.A.L", einem der wenigen von der EU geförderten Kulturprojekte, kommen sie zusammen, lernen die Heimat der anderen kennen - und zeigen die Ergebnisse in einer Wanderausstellung, die Ende August auch auf der Kokerei Hansa Station macht. Zurzeit sind zwölf Künstler zu Gast in Dortmund - von Tänzern und Installationskünstlern über Fotografen bis zu Klangkünstlern. "Das Ruhrgebiet inspiriert mich", sagt etwa Ireneusz Borowski aus Kattowitz, "ich beobachte den Wandel der Industrie und der Mentalität". Der Linolschnitt-Künstler studiert an der Akademie der feinen Künste in Kattowitz und hat gemeinsam mit seinen Künstler-Kollegen in der vergangenen Woche Zechen und Halden von Oberhausen bis Dortmund besucht.
"Für uns ist es schon selbstverständlich, durch stillgelegte Zechen zu laufen und Kultur darin zu finden", sagt Projekt-Initiatorin Uta C. Schmidt vom Kulturhaus NeuAsseln, "in Polen sind die Anlagen teils noch in Betrieb, und in Frankreich gibt es sie gar nicht mehr." Umso erstaunter waren die Gäste, wie im Ruhrgebiet mit dem Industrie-Erbe umgegangen wird.
Im Dezember geht es für die sechs Dortmunder Teilnehmer der Kunsthorten-Gruppe (Gudrun Kattke, Silvia Liebig, Richard Ortmann, Christian Psyk, Ralf R. Wassermann, Thomas Wucherpfennig) nach Frankreich und nach Polen. - pin
Dienstag, 27. November 2007 | Quelle: Ruhr Nachrichten (Dortmund)
2008/2009 präsentiert sich das Land NRW mit ausgewählten Kulturprojekten in Frankreich. C.O.A.L. gehört dazu.
Dortmund, WR 18.12.2007, Von Nadine Albach
Alte Industrie, Zechen, Kokerei - Schlagworte und zugleich prägende Landmarken in der Geschichte. Nicht nur des Ruhrgebiets, sondern auch Polens, Frankreichs, Belgiens. ...
... Auch Dortmunder Künstler wollen nun eine "Gedächtnisstiftung" für die Horte des Wandels schaffen. Eine Spurensuche kann einen Menschen auch auf ganz andere Wege führen: Der Dortmunder Klangkünstler Richard Ortmann forschte vor drei Jahren der Geschichte seiner Ahnen in Kattowitz nach. Und fühlte sich wie bei einer Zeitreise: Bergwerke, Kohle- und Erzlagerstätten - "wie bei uns in den 60er und 70er Jahren." Er machte daraus zunächst, was sich für einen Klangkünstler gehört: Er schlug bei einer Performance eine Brücke aus Geräuschen von Polen nach Deutschland. Und dachte dann: "Wir wollen auch eine Bildbrücke".
Das ist die Entstehungslegende von "C.O.A.L." ("Carboniferus to open-eyed Artists on Landscape), einem Projekt, das nun von der EU-Kulturförderung bezuschusst wird und Institutionen in Deutschland, Polen und Frankreich/Belgien verbindet. In der ersten Phase reisen Künstler aus den beteiligten Ländern umher, um Vergangenheit und Zukunft der Montanindustrie in den jeweiligen Ländern zu sehen: "Es sind unterschiedliche Stadien", beschreibt Silvia Liebig von der Gruppe "kunsthorten". Dortmund etwa gestaltet die alten Stätten für neue Zwecke (wie Kunst) um, in Kattowitz ist die Industrie noch aktiv, Lille befinde sich in einem Zwischenstadium.
Das Gesehene schließlich soll die Künstler zu Arbeiten inspirieren, die sich dem Wandel der Landschaften, dem Weg von der Industrie- zur Wissensgesellschaft widmen. Ein internationales Symposium in Kattowitz und eine Ausstellung auf der Kokerei Hansa im August 2008 sind die nächsten Phasen.
Die frankophilen und polnischen Künstlern waren bereits im Pott. Jetzt sind die sechs Dortmunder Künstler von "kunsthorten" in Lille. Für Gudrun Kattke etwa hat die Grundidee viel mit "der eigenen Geschichte als Ruhrpottmädchen" zu tun - der Vater, ein Maschinenbauer, lernte "auf Zeche", sie selbst erlebte die Veränderung der Landschaft um sich herum. Und auch Silvia Liebig sagt:"Wir haben den Beat der Hochöfen im Bauch". Was genau sie aus ihren Erfahrungen machen werden, wissen sie noch nicht. Nicht einmal, mit welchem Medium sie umgehen. "Aber das ist der Vorteil bei kunsthorten: Wir sehen über unsere Sparten hinaus", sagt Liebig. Beteiligt sind außerdem Christian Psyk, Ralf R. Wassermann und Thomas Wucherpfennig. www.richard-ortmann.de
Westfälische Rundschau, Dortmund, 14.03.2008, Von Nadine Albach
"Eigentlich sind wir erst jetzt echte Bergleute". Sagt Gudrun Kattke - die Künstlerin ist. Gemeinsam mit 17 anderen ihrer Art hat sie die Geschichte der Kohle in Dortmund, Lille und Kattowitz verfolgt, um daraus nun Kunst zu fertigen.
Es ist ein Erlebnis, das Gudrun Kattke und den anderen Dortmundern in Erinnerung geblieben ist - und sie nun zu gefühlten Bergleuten macht. Von der EU gefördert, hatten sie mit Künstlern aus Polen und Frankreich 'schwarze' Orte der einstigen Kohlehochburg Lille besichtigt, das Schwimmbad für Bergleute gesehen, die heruntergekommenen Siedlungen. Aber trotz all dieser Erlebnisse war es eines in 650 Metern Tiefe, das sich in ihr Gedächtnis brannte: Die Abfahrt in das noch aktive Bergwerk in Kattowitz.
Mit Kaffeetassen vor und die Luft der Berswordt-Halle um sich, erzählen Kattke, Silvia Liebig, Christian Psyk, Richard Ortmann und Ralf R. Wassermann. Wie sie sich ausziehen mussten, um in feuerfeste Kleidung zu wechseln - selbst die Socken wichen getränkten Lappen. Gequetscht in einen kleinen Aufzug, ein Überlebenspaket um den Hals. Und hinab in die Tiefe. Erst noch mit dem Gefühl, einen Spaziergang mal unter statt auf der Erde zu machen. Bis die Künstler ihren Weg im Wasser suchen mussten. Und der Streb plötzlich ganz niedrig und schmal wurde und eine Steigung von 20 Prozent hatte. Dazu die Kohleraspel, die mit einem brachialen "Tong, Tong, Tong" in die Stille der Erde drang. Plötzlich gab auch noch das Methan-Messgerät des Bergführers Alarm. Da war es vorbei mit der Ruhe, da kam Angst. "Dass Bergleute das 35 Jahre machen, ist unvorstellbar", sagt Christian Psyk. "Danach bekommt alles einen größeren Wert", erzählt Kattke: die Sehnsucht nach Licht, Luft, Natur.
Dieses Gefühl ist es, dass die Dortmunder für ihren nächsten Schritt mitnehmen - die Schaffung von Werken. Ab Mai zeigen die Kreativen aller drei Länder in Kattowitz, dann auf der Kokerei Hansa und schließlich im französischen Lille die Ergebnisse ihrer Auseinandersetzung mit der Kohlegeschichte.
Ralf R. Wassermann wird Audio-Impressionen per Internet-Radio verdichten und vor Ort eine "Beschallungsinstallation" bieten. Gudrun Kattke lässt Fundstücke (wie ein "Bergauf-Fußspray") über Förderbände laufen. Silvia Liebig hat die Eindrücke rationalisiert und in scherenschnittartigen Piktogrammen konzentriert. Richard Ortmann bietet Live-Auftritt mit lokalen Künstlern nach Regeln der seriellen Musik. Und Christian Psyk will eine Installation schaffen, inspiriert von den blauen Augen eines Bergmanns und der Idee: "Von der Dunkelheit auf ins Licht."